Immobilienmarkt in Brüssel

Brüssel ist eine Stadt, in der viele Menschen nur für wenige Monate oder Jahre leben. Dadurch ist der Immobilienmarkt der Hauptstadt Belgiens stets in Bewegung. Das Angebot an Unterkünften ist in keiner anderen europäischen Hauptstadt so groß wie hier. Doch weshalb ist die Immobiliensituation in der Metropole so anders als in vielen anderen Großstädten?

Immobilienmarkt in Brüssel

Immobilienbesitzer buhlen um die Gunst potentieller Mieter und Käufer

Insbesondere zur Sommerzeit gleicht Brüssel einer riesigen Farbpalette. An den Fassaden zahlreicher Häuser sind bunte Schilder angebracht, mit denen Immobilienbesitzer die Aufmerksamkeit potentieller Mieter erregen möchten. Mit der französisch-flämischen Beschriftung "à louer/te huur" wird Wohnraum zum Mieten angepriesen. Sind die Worte "à vendre/te koop" auf den Schildern verewigt, stehen die Objekte sogar zum Kauf bereit. Spätestens zu Beginn der großen Sommerferien kommt Brüssels Immobilienmarkt in Schwung. Dann wandelt sich die inoffizielle Hauptstadt von Europa zur großen Umzugsmetropole.

Ein Immobilienmarkt im stetigen Wandel

Das Angebot an Immobilien in Brüssel sticht die meisten anderen europäischen Großstädte aus. Die Immobiliensituation in der Stadt wird von einem ewigen Kommen und Gehen bestimmt. Dadurch kehrt auf dem Immobilienmarkt nie Ruhe ein. Im Hochsommer herrscht in den Maklerbüros auch Hochkonjunktur. Daran ändern auch die hohen Lebenshaltungskosten nichts. Wer sich in Brüssel einkleiden möchte oder den regelmäßigen Wocheneinkauf mit Speis und Trank erledigt, muss relativ tief in die Tasche greifen. Im Gegensatz dazu sind die Immobilienpreise noch immer verhältnismäßig günstig. Diese Entwicklung ist aus der Sicht anderer Großstädter gewiss erstaunlich. Denn auch in zentrumsnahen Stadtteilen winken Wohnungen zum Spartarif. Eine andere Situation herrscht in Metropolen wie Paris, London oder auch München vor – zum Glück für die Einwohner Brüssels.

Sanierungs- und Umbaumaßnahmen sind die Ausnahme

Doch noch eine Entwicklung ist erstaunlich. Sind Sanierungs- und Umbaumaßnahmen in vielen anderen europäischen Metropolen in vollem Gange, schreitet die Gentrifizierung in Brüssel verhältnismäßig langsam voran. Das bedeutet nicht, dass auf dem Immobilienmarkt in Brüssel Stillstand herrscht. Dennoch ist diese Tendenz sicherlich ein wichtiger Grund für die nur mäßig ansteigenden Immobilienpreise. Wer in besonders hochwertigen und schicken Immobilien leben möchte, zieht deshalb zumeist nicht in sanierte, sondern völlig neu erbaute Objekte ein. Ein Beispiel für derartige Bauprojekte sind die Marollen, die nur einen Katzensprung von den Luxusgeschäften des Boulevards de Waterloo entfernt sind. Zudem hat die moderne Architektur in Molenbeek Einzug gehalten.

Den guten Ruf vom Stadtteil Molenbeek wieder herstellen

Es ist leider noch gar nicht lange her, als Molenbeek als Zentrum des islamistischen Terrors weltweit die Blicke auf sich zog. Doch mittlerweile ist es diesem Wohnviertel gelungen, den Fokus der Öffentlichkeit auf seine hübschen Neubauten sowie das Museum für moderne Kunst zu lenken. Die Lage unmittelbar an einem Kanal tut ihr Übriges. All diese Vorzüge haben diesem Stadtteil zu mehr Attraktivität zurück verholfen. Heute ist Molenbeek ein beliebter Treffpunkt von Familien und jungen Paaren aus aller Welt, die dem Stadtteil als Betreiber bunter Cafés und Biogeschäften Leben einhauchen. Dieser Wandel ist zweifelsohne eine Wohltat für das Stadtviertel, dessen Entwicklung auch von der Stadtverwaltung begrüßt wird.

Die Grundsteine eines Wandels sind gelegt

Molenbeek geht zwar mit gutem Beispiel voran. Doch langsam aber sicher ziehen andere Gebiete in der EU-Hauptstadt nach. Es scheint sich ein Wandel zu vollziehen, der eine größere Auswahl an Wohnraum ermöglicht. Da sind einerseits besonders moderne und strukturierte Bauten, deren Dachterrassen viel Raum für die nötige Entfaltung lassen. Im Gegensatz dazu verzaubern prachtvoll verzierte Altbauten mit üppigen Stadtgärten und bis zu vier Meter hohen Decken, die jeden Raum besonders einladend wirken lassen. Eine klare Tendenz zeichnet sich dahingehend ab, dass insbesondere Einheimische den Lebensalltag in eigenen Backsteinhäusern am malerischen Stadtrand bevorzugen. Einwanderer mit Kindern fühlen sich hingegen von den Gebieten magisch angezogen, in denen Schulen ihres Heimatlandes vertreten sind. Diese Entwicklung führt in Brüssel dazu, dass in Stockel besonders viele Deutsche ansässig sind. Auderghem liegt fest in der Hand der Japaner. Weit hinter den Stadtgrenzen haben sich in Tervuren überwiegend englischsprachige Familien angesiedelt.

Einheimische entscheiden sich zumeist für Kaufobjekte

Viele Belgier sind darauf bedacht, die von ihnen ausgewählten Wohnobjekte käuflich zu erwerben. Dadurch stellt sich natürlich eine gewisse Unflexibilität unter Belgiern ein. Wer einmal ein Haus oder eine Wohnung gekauft hat, wird dieses Objekt eher ausbauen als umziehen. Wer die Stadt hingegen nach wenigen Jahren wieder verlassen möchte, entscheidet sich natürlich eher für ein Mietobjekt. Durch diese Gegensätze ist der Brüsseler Immobilienmarkt stets im Wandel. Und das Wohnen auf Zeit ist in Belgiens Hauptstadt längst kein Einzelfall. In jedem Jahr leben in Brüssel Tausende an Menschen, die beispielsweise für einen festgelegten Zeitraum für die Europäische Union tätig sind. Dieser Teil der Bevölkerungsstruktur beginnt bei Mitarbeitern der Kommission oder Angestellten von Behörden, endet jedoch noch längst nicht bei all den Vertretern von Mitgliedsstaaten, Lobbyisten, Dolmetschern, Übersetzern oder Journalisten. Zahlreiche dieser Berufsvertreter schließen Drei- bis Fünf-Jahres-Verträge ab. Bei diesen Zeiträumen sind stetige Wohnraumwechsel vorprogrammiert.

Unattraktive Vertragsklauseln für potentielle Mieter

Deshalb bauen Vermieter häufig mehr oder weniger zweifelhafte Vertragsklauseln in ihre Vereinbarungen ein, die für Nicht-Belgier alles andere als attraktiv sind. So sind Mietverträge beispielsweise über einen Zeitraum von neun Jahren angelegt. Diese Vereinbarungen dürfen erst nach drei Jahren ohne Bezahlung einer Strafe gekündigt werden. Mieter haben im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen weniger Rechte. Doch im Gegenzug lockt Brüssel mit Bauobjekten, die wesentlich attraktiver als in den meisten europäischen Großstädten sind. Und die bewegte Historie dieser prachtvollen Immobilien gibt's natürlich gratis zum Kauf- oder Mietpreis dazu.

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