Die belgische Hauptstadt Brüssel ist eine moderne Großstadt und Hauptsitz der Europäischen Union. Entstanden aus einer Handwerkersiedlung um den Großen Markt, erhielt Brüssel 1229 das Stadtrecht.
Die Stadt ist durch eine intensive Modernisierung geprägt und entwickelt sich zu einer international geprägten Metropole. Brüssel ist die kosmopolitischste Stadt in Europa und die zweitkosmopolitischste Stadt der Welt. Von den Einwohnern haben fast 40 Prozent nicht die belgische Staatsbürgerschaft.
Typische Bauwerke aus zahlreichen Architektur-Epochen
Brüssel besteht aus 19 selbstständigen Städten, die teilweise einen unterschiedlichen Charakter haben. Die Metropolregion Brüssel hat ungefähr 1,2 Millionen Einwohner. Da die Stadt im Zweiten Weltkrieg weniger als andere belgische Städte zerstört wurde, verfügt sie über typische Bauwerke aus zahlreichen Architektur-Epochen.
Gotik, Renaissance, Barock und auch Jugendstil haben in der Stadt ihre Spuren hinterlassen. Sitz der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ist Brüssel seit 1959. Neu entstehende Organe siedeln sich im Europaviertel an.
Viele Architekturdenkmäler wurden in den 1960er Jahren durch effiziente Hochhausbauten ersetzt. So entstanden übergroße Verwaltungsgebäude und Appartementblocks. Brüssel wurde zu einer autogerechten Stadt umgebaut.
Rasche Urbanisierung ohne umfassende Stadtplanung – die Brüsselisierung
Die Brüsselisierung vollzog sich von den 1960er Jahren bis in die 1980er Jahre und wurde von der Stadtverwaltung Brüssel im Zusammenhang mit der Expo 58 eingeführt. Die Stadt wurde auf die Expo 58 vorbereitet, indem Gebäude unabhängig von ihrer architektonischen oder historischen Relevanz abgerissen wurden.
Es kam darauf an, Gebäude zu errichten, die ein hohes Fassungsvermögen aufwiesen, um dem Bevölkerungsanstieg gerecht zu werden und die Infrastruktur leistungsfähiger zu machen.
Als Brüsselisierung wird die rasche Urbanisierung ohne umfassende Stadtplanung bezeichnet. Im Rahmen der Brüsselisierung entstand auch das Areal der Europäischen Kommission.
Zahlreiche Bürgerbewegungen richteten sich gegen die Brüsselisierung und den damit verbundenen Abriss von bekannten historischen Gebäuden. Gegen den Abriss des Jungendstil-Volkshauses von Victor Horta protestierten 700 Architekten aus aller Welt. Dennoch wurde dieses Gebäude abgerissen.
Stadtplanung und Ernennung von Baumeistern
Als Antwort auf die Brüsselisierung wurden der baulichen Umwelt und der hochwertigen Architektur Anfang der 1990er Jahre Priorität eingeräumt. Entsprechende Gesetze wurden eingeführt, um den Abriss von Gebäuden mit historischem und architektonischem Wert einzuschränken.
Die Regierung der Region Brüssel-Hauptstadt richtete 2009 die Position des Stadtbaumeisters „Bouwmeester Maitre Architecte“ (BMA) ein, um in der gesamten Stadt die Qualität von Stadtentwicklungsprojekten zu verbessern. Ein Team unter der Leitung des Stadtbaumeisters koordiniert Projekte und fördert hochwertige Architektur.
Der BMA wird für einen Zeitraum von fünf Jahren in einem offenen und öffentlichen Einstellungsverfahren ausgewählt. Dieses Verfahrenen wird von einem Bewertungsausschuss überwacht und bezieht auch externe Fachleute ein. Um die besten architektonischen und städtebaulichen Ergebnisse zu fördern, bleibt die Position unabhängig.
Der BMA deckt alle Aspekte der Stadtentwicklung ab, zu denen Stadtplanung, Architektur, öffentliche Räume und Landschaft gehören. Er arbeitet an Projekten und auch an Instrumenten zur strukturellen Verbesserung der Qualität der baulichen Umwelt.
Um die Ambitionen Brüssels bei der Stadtentwicklung voranzubringen, unterstützt der BMA öffentliche und private Bauherren. Der BMA fördert ein verstärktes öffentliches Engagement und legt den Fokus auf den Klimawandel. Er setzt Gestaltungsinstrumente, Qualitätskammern, Forschung und Kommunikation ein.
Nachhaltige Entwicklung und wirtschaftliche Dynamik
Brüssel setzt Zeichen bei der Nachhaltigkeit. Eine nachhaltige Entwicklung geht mit wirtschaftlicher Dynamik einher. Die Standortstrategie verbindet ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit miteinander.
Brüssel fördert konsequent umweltfreundliche Infrastrukturen und nachhaltige Veranstaltungsorte. Zahlreiche Eventlocations in Brüssel verfügen über das internationale Gütesiegel für hohe Umweltstandards Green Key. Verschiedene Hotels und andere Gebäude wurden nachhaltig renoviert.
Spagat zwischen Geschichte und Zukunft
Brüssel verbindet das architektonische Erbe mit den modernen Ansprüchen an Technik, Design und Nachhaltigkeit. Umgenutzte Industrieareale, neue flexible Flächen und historische Gebäude setzen europaweit Maßstäbe und prägen auch die Eventlandschaft in Brüssel.
Der Innovationscampus im Norden des Tour & Taxis-Geländes ist ein Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung. Dort entstehen Werkstätten, Showrooms und Tagungsräume.
Im EU-Viertel trifft Tradition auf Innovation. Elegante Veranstaltungen finden mit historischem Flair im Concert Noble und in der Bibliothèque Solvay statt. Der Résidence Palace ist ein internationales Pressezentrum mit Konferenz- und Tagungsräumen.
Mehr Lebensqualität für die Zukunft
Brüssel bietet bereits eine hohe Lebensqualität, doch in der Zukunft soll die Lebensqualität weiter verbessert werden. Ein wichtiger Aspekt ist die Bekämpfung der Wohnungskrise und die Schaffung von Wohnraum. Leerstehende Bürogebäude werden teilweise in Wohnraum umgewandelt.
Brüssel gehört bereits zu den grünsten Hauptstädten in Europa und verfügt über mehr als 8.000 Hektar Grünflächen. Auf jeden Einwohner kommen ungefähr 28 Quadratmeter Grünfläche.
Verschiedene Areale werden klimafreundlich umgebaut. Teilweise wird die vorhandene Bausubstanz genutzt, indem Baumaterialien umweltfreundlich aufbereitet werden. Es geht um einen innovativen Umgang mit städtischen Zwischenräumen. Die Stadt soll noch grüner werden. Auch die Infrastruktur wird weiter ausgebaut und auch fußgänger- und radfahrerfreundlich gestaltet.