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UNTERWEGS IN BRÜSSEL
KRIMINALITÄT
Immer wieder wird von erheblicher Kriminalitätsrate in Brüssel gesprochen. Das tun vor allem EU-Entsandte und ausländische Arbeitnehmer, für die die Situation neu ist.
In Brüssel gibt es viele Immigranten aus arabischen Ländern und der Türkei, die zum großen Teil trotz erheblicher Bemühungen der Belgier bis heute die Integration in die westliche, belgische Gesellschaft nicht schaffen wollen, sie sogar ablehnen, und sich daher in islamischen Gegengesellschaften abschotten. Durch die extrem hohe Geburtenrate führen sie zu schwierigem Jugendüberschuss (Youth Bulge). Viele Kinder wachsen in einer patriarchalischen Gewaltkultur mit radikal-islamischer Gehirnwäsche auf - in einem nichtislamischen Land. Massive Kriminalität, Gewalt und Feindlichkeit sind Alltag geworden.
Problemviertel, bürgerliche und reiche Viertel liegen oft dicht beieinander, und das auch sehr zentral: Aufgrund von Stadtflucht an den grünen Brüsseler Rand in den 1970-80ern, infolgedessen Leerstand, günstigen Mieten, und dann Zuzug von ärmeren und schwer integrierbaren Bevölkerungsgruppen, konzentrieren sich schwierige Stadtviertel nicht am Stadtrand, sondern westlich und nördlich der Brüsseler Innenstadt. Das Extrembeispiel: Westlich der Börse liegt das sündhaft schicke Quartier Dansaert, welches vor 20 Jahren No Go war und Klein Chicago genannt wurde, mit feinen Modeboutiquen und einigen der teuersten Wohnadressen... geht man ein paar Schritte weiter nach Westen und überquert den Kanal, befindet man sich in einer Parallelwelt mit Billigshops und heruntergekommenen Häusern. Das bedeutet nicht, dass man sich aus dem Zentrum nicht herauswagen soll oder darf - Brüssel ist eine Stadt mit herrlichen und vielfältigen Quartieren voller Jugendstil, in denen zahlreiche überwältigende Sehenswürdigkeiten liegen! Das bedeutet nur, dass man sich grob vom Westen und Norden fernhalten kann.
Tipps, die für alle Metropolen gelten:
Wertsachen im Hotel lassen, nicht mehr Geld als nötig mitführen.
Gepäck nicht unbeaufsichtigt lassen und schnellstmöglichst in das Hotel bringen.
Handtaschen nicht locker umhängen, und in Cafés nicht über die Lehne hängen oder auf den Boden legen.
Vorsicht vor (sehr jungen) potentiellen Taschendieben im Zentrum, in Bahnhöfen und Metrostationen.
Nicht offen mit Geld hantieren und auch niemandem Geld wechseln. Praktisch ist Kleingeld in Hosentaschen - dann muss man nicht immer die Geldbörse zücken.
Nicht von Personen oder Gruppen ablenken lassen, auch wenn diese vertrauenswürdig erscheinen.
Abseits von belebten touristischen, oder wohlhabenden Vierteln sich nicht zu offensichtlich wie ein Tourist verhalten, auf die Menschen im Blickfeld achten, als junger Mensch besonders um Gruppen von sich auffällig verhaltenden Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Bei Nacht Parks und dunkle Seitenstraßen im Zentrum meiden.
Um berüchtigte islamische Parallelwelten einen Bogen machen - vor allem als Frau.
Handtaschen während der Fahrt im Auto im Fußraum oder im Kofferraum verstauen, nicht auf dem Beifahrersitz.
Nichts im geparkten Auto lassen, und Handschuhfach und sowie andere Fächer öffnen (potentielle Täter sehen, dass nichts im Auto sein kann).
Kriminalitätsschwerpunkte:
Bahnhöfe - In größeren Bahnhöfen sollte man immer Vorsicht walten lassen. Der größte Bahnhof, Knotenpunkt und Kriminalitätsschwerpunkt in Brüssel ist der Gare du Midi, der auch in ziemlich schlechter Gegend liegt. Im Gare Central sollte man ebenso vorsichtig sein, auch wenn es rundherum kein typisches Bahnhofsviertel gibt: Der Bahnhof liegt unterirdisch und am Hang zwischen Altstadt und königlichem Viertel. Der letzte große Bahnhof, der Gare du Nord, liegt zwischen einem großen Business-Viertel, dem Rotlichtbezirk und Problemvierteln.
Metrostationen - Abends meiden: Die Stationen Anneessens und Lemonnier im Zentrum; rund um das Zentrum die Stationen Yser und Porte de Hal. Im gesamten Liniennetz sind Teile des Nordwestens, Westens und Südwestens mit Vorsicht zu genießen.
Viertel - Die schönsten und sichersten Stadtteile liegen im Brüsseler Nordosten, Osten, Südosten und Süden. Problematische Parallelwelten konzentrieren sich im schmaleren Nordwesten, Westen und Südwesten - grob in einem knapp zwei Kilometer breiten Streifen rund um den Innenstadtring, wo sich Problemviertel der umliegenden Kommunen an Brüssel-Stadt schmiegen. Siehe Karte. Dort liegen auch die Bahnhöfe Nord und Midi. In der letzten Zeit ist auch das Europaviertel östlich des Zentrums häufig in den Schlagzeilen: Jugendliche aus benachbarten Problemvierteln gehen dort auf Raubzug.
AUF DER STRASSE
Auch wenn es im Vergleich zu anderen Metropolen relativ wenig Betrug gibt, sollte man unterwegs in Touristenvierteln nicht zu naiv sein. Viele überlegen, wie sie an Geld kommen. Wer auf der Straße angesprochen wird, sollte mit Misstrauen wirklich nicht zu sparsam umgehen. Vor einiger Zeit wurde ich mit Begleitung von zwei jungen Frauen angesprochen, die Geld für arme Kinder und Jugendliche sammelten. Sie hielten uns eine kopierte Liste hin, auf der andere Spender ihren Namen, Ort, Höhe der Geldspende, und ihre Unterschrift hinterlassen hatten. Entweder waren diese Einträge komplett gefälscht oder sie waren echt, und es gibt tatsächlich so naive Touristen. Nichts deutete auf eine bekannte Spendenorganisation hin - die Spenden flossen wohl direkt in die Taschen der beiden jungen Frauen, bzw. in die ihrer Familien oder Auftraggeber. Mittlerweile treten die “Spendensammler” in sehr großen Gruppen auf. Wer genug Zeit hat, ruft am besten die Polizei.
BETTELEI In Brüssel sieht man, wie auch in anderen europäischen Metropolen, immer häufiger kopftuchverhüllte Frauen mit einem Baby im Arm auf der Straße sitzen und betteln. In Fußgängerzonen kommt es sogar vor, dass kleine Kinder alleine auf der anderen Straßenseite gegenüber der Mutter sitzen, um zu betteln. Erstens muss in Belgien niemand auf der Straße sitzen, und zweitens ist das Betteln mit Kindern verboten. Solche Leute kommen in der Regel aus kriminellen Großfamilien, in denen Frauen zum Betteln (mit Babys oder Kleinkindern, damit es besonders herzerweichend aussieht), und Kinder zum Klauen geschickt werden.
Ich habe bereits beobachtet, wie eine ärmlich bekleidete Frau mit Baby von ihrem Mann oder einem Verwandten von “der Arbeit” abgeholt wurde. Sie stieg in einen gepflegten Wagen der oberen Mittelklasse.
TOURISTENFALLE PRALINENLADEN
Bild: ein Belgier würde hier niemals einkaufen Rund um Grand Place und Manneken Pis gibt es neben den Läden der weltberühmten belgischen Chocolatiers einige nett aufgemachte Pralinenläden extra für Touristen. Dort werden billigste belgische No-Name-Pralinen, von Firmen die niemand kennt, in Gebinden oder neuerdings einzeln zu überteuerten Preisen verkauft. Alle Läden gehören zwei bulgarischen Brüdern, denen das Souvenirgeschäft nicht mehr ertragreich genug war - sie wandelten ihre Läden einfach in Pralinenläden um.
Man sollte sich in dieser Touristengegend einfach an die großen Namen, die weltberühmten belgischen Chocolatiers halten, oder gleich im Schokoviertel Sablon einkaufen.
BRÜSSELER SPITZE ist Geschmackssache. Wenn ihr sie mögt, vergewissert euch nach der Echtheit. Sonst bekommt ihr noch ein teures Stück aus Asien.
DIE FRESSGASSEN
Bild: charmante Lockvögel Lasst euch bei einem Besuch der Fressgassen nicht voreilig in ein Restaurant schleppen! Manchmal wird einem im Vorbeigehen ein Stuhl untergeschoben! Wenn ihr auf einmal sitzt, kann es nicht mit rechten Dingen zugehen. Die Ober versuchen vor allem die Frauen charmant und auf allen Sprachen einzugarnen. Schaut auf der Suche am besten nicht hungrig und verneint freundlich, aber klar.
Auch kann es sein, dass die Menükarte, die draußen hängt, keine Gültigkeit mehr hat. Es hängen aber auch wirklich so viele Menükarten in diesen Straßen, dass es zu viel Mühe machen würde, sie abzuhängen. Trotzdem gelten sie nur zwischen etwa 12 und 16 Uhr. Das steht aber nirgendwo.
Das alles soll durch eine Charta unterbunden werden. Sie untersagt den Betreibern, Passanten zu nötigen und fordert eine transparente Preisanzeige.
Die Fressgassen werden gerne eine Touristenfalle genannt, und da ist etwas dran. Es gibt dort viele Restaurants, in denen Einheimische nicht essen würden. Vergiftet wird man dort nicht, das Essen ist günstig, und man wird auch nicht zwingend über den Tisch gezogen. Jedoch isst man in Belgien gut und gerne, und kocht mit Liebe - aber nicht in von Nichtbelgiern geführten “belgischen” Restaurants, die auf das große Geld aus sind. Die Inhaber betreiben teilweise gleich mehrere Restaurants nebeneinander oder gegenüber. Es gibt auch zahlreiche empfehlenswerte, von Belgiern geführte, aber etwas teurere belgische Traditionsrestaurants - und an die sollte man sich halten, wenn man in den wunderschönen Gassen speisen möchte.
TRÖDELMÄRKTE
An Wochenenden sind Brüssels wunderbare Trödelmärkte von Touristen überflutet. Touristen zahlen gerne, und handeln ungerne, nicht nur wegen Sprachproblemen. Das kann ausgenutzt werden. Man sollte handeln! Wenn man das nicht möchte oder kann, einfach ablehnen, “non”. Direkt nach dem “non” hört man höchstwahrscheinlich ein viel viel besseres Angebot.
STADTRUNDFAHRTEN “HopOn-HopOff” Davon rate ich zur Zeit ab. Erstens die negativen Erfahrungen vieler Benutzer: Unbequeme, veraltete Busse, ungünstige Routen, Wartezeiten, Verspätungen, defekte Kopfhörer, nicht synchrone und zudem noch veraltete Beschreibungen vom Band, Zeitdruck. Zweitens: Die Busse halten im Zentrum an jeder Ecke, und fahren derzeit nur in zwei Richtungen aus dem Zentrum heraus: Europaviertel (Triumphbogen) und Heysel (Atomium). Weitere sehr wichtige Sehenswürdigkeiten außerhalb des Zentrums werden ausgelassen, auch wenn es kein großer Umweg wäre.
Das Brüsseler Parlament hat sich eingeschaltet, im Moment kann man nur abwarten. Es gibt zu viele Anbieter, dadurch schlechte Auslastung und finanzielle Probleme.
HOTELS IN SCHLECHTEN LAGEN Vor allem rund um den Brüsseler Südbahnhof gibt es viele günstige Hotels. Bucht man dort, sollte man wissen, worauf man sich einlässt: Es ist eine problematische und sehr heruntergekommene Gegend. Nicht die einzige Gegend dieser Art, in der es Hotels gibt. In Brüssel gibt es herrlichste Hotels in Traumlagen, und zwar in jeder Preisklasse. Wo, und welche Hotels? Die Antwort ist hier: www.bruessel-hotels.eu
BELGISCHE GEMÜTLICHKEIT
Bild: geduldiges Warten Belgier sind, mal abgesehen vom Autoverkehr, unheimlich ruhig und gelassen, und Pünktlichkeit ist in Brüssel ohnehin kaum möglich.
Verkäufer haben alle Ruhe der Welt. An der Supermarktkasse wird die Ware vom Kassenpersonal besonders langsam über den Scanner gezogen. Danach zieht der belgische Kunde einen ansehnlichen Stapel Bonus- und Rabattmärkchen, die man zu fast jedem Produkt erhält. Der Kassierer muss sich nun alles anschauen, verbuchen, und vermutlich den Chef rufen, der nach durchschnittlich fünf Minuten angeschlendert kommt. In der Zeit packt der Kunde alles gemütlich in die Tüten ein. Nach einer kurzen Diskussion über eine abgelaufene Marke zahlt der Kunde dann mit Karte, gibt zweimal die falsche Geheimzahl ein, beteuert dabei, dass das sonst nie passiert, und macht dann Platz für den nächsten Kunden. Auch wenn mehrere solcher Kunden vor einem stehen - es stört niemanden - es wird überhaupt nicht wahrgenommen. Einzelne Belgier stehen gleichgültig in der Schlange, paarweise auftretende schwatzen, was das Zeug hält. Wenn es allzu lange dauert, wird auch schon mal eine Packung Pralinen geöffnet und verzehrt. Die Wirkung von Schokolade ist bekannt - sie macht glücklich - alles kein Problem. Vielleicht kann auch der einzige Verkäufer in der Frittenbude seine Flamme am Telefon gerade nicht abwimmeln... Wer kennt das nicht, es dauert mit der Bestellung halt etwas länger, der Kunde versteht das. Wenn es sein muss! Belgier stellen sich gerne in der Schlange an. Schließlich kommt jeder dran, und kann beispielsweise der alten Verkäuferin in der Bäckerei, die auch auf Kurztherapien spezialisiert ist, das Neueste aus dem Leben erzählen.
Brüssels Einzelhandel ist verrückt - nur in den Souvenirshops und Pralinenläden im Zentrum ist man auf schnelles Verkaufen spezialisiert - damit die Touristen in der Schlange kein langes Gesicht machen. Im Delhaize-Supermarkt auf dem Boulevard Anspach, in dem sehr viele Touristen einkaufen, geht man andere, erzieherische Wege: Kürzlich wurden Flachbildschirme über den Kassen aufgehängt - dort läuft tatsächlich ein Endlosvideo mit weißem Sandstrand, Meer, Wellen und blauem Himmel. Um die genervten und viel zu hektischen Touristen zu beruhigen!
C’est la vie, wir sind in Brüssel! Auch wenn es Deutsche manchmal nervt, lasst euch auch mal in diese Langsamkeit und Gelassenheit fallen, es ist sehr gesund! Ganz anders sieht es im Straßenverkehr aus, der ist dafür doppelt so hektisch, dazu später mehr.
HÖFLICHKEIT Belgier sind freundliche Menschen. Verkäufer und Türsteher möchten nett gegrüßt werden: Man wünscht sich einen “Guten Tag”, verabschiedet sich mit “Auf Wiedersehen, schönen Tag, Abend, Montag - Freitag, Samstag, Sonntag, Wochenende, Feiertag...”, benutzt oft und gerne die Wörter “Bitte”, “Danke” und “gern geschehen”. Beherrscht man das alles nicht auf Französisch, ist auch Englisch in Ordnung. Einfach losplappern in der Muttersprache ist nicht OK, das gilt als sehr unhöflich.
Diese Höflichkeit fördert manchmal lustige Situationen. Beim Spazierengehen hielt einmal ein Auto neben mir, das Fenster wurde heruntergekurbelt. Eine schicke, auch sehr höfliche Frau sagte etwas auf Französisch zu mir. Ich verstand nur, dass sie den Boulevard Max suchte, und fragte auf Französisch, ob sie Englisch könne. Sie bejahte auf Englisch und ich beschrieb ihr auf Englisch, dass sie sich in der Oberstadt befindet, aber in die Unterstadt muss. Während ich nach einem Wort suchte, sagte sie: Kommen sie aus Deutschland? Ich bejahte auf Deutsch, beschrieb ihr den Weg, sie bedankte sich schön und fuhr mit deutschem Kennzeichen davon.
PREISE
Brüssel gilt als sehr teures Pflaster. Touristen-Vorurteil. Im Vergleich zu anderen großen europäischen Hauptstädten bietet Brüssel überaus humane Preise: Das Preis-Leistungsverhältnis ist hervorragend. Klar gibt es edelste Viertel und Boulevards, Geschäfte, Lokale, Restaurants, Veranstaltungsorte, Hotels. Das fällt auf. Aber: Die Stadt ist nicht überteuert. In einer beliebten Frittenbude an der Börse bekommt man ein unglaublich üppiges Stück Baguette, gefüllt mit Würstchen oder Fleisch, geschmorten Zwiebeln, Salat, Pommes und Sauce für 3,50€. Auf der Chaussee de Gand bekommt man, falls es mal regnen sollte, für 2,50€ einen wirklich robusten, praktischen und winzig zusammenklappbaren Regenschirm. In welcher anderen Touristenstadt kommt man schon so günstig weg? In Sachen Shopping kann man richtige Schnäppchen machen, und das nicht nur auf den Märkten. Man kann für 2€ Bier trinken gehen, unter 5€ satt werden; Museen kosten nicht mehr als 5€, auch Opern und Theater sind sehr günstig. Ausgehen ebenfalls. Übernachten kann man für 60€ pro Doppelzimmer in einem der vielen schönen Familienhotels, an Wochenenden sogar für 90€ in First-Class- und Luxushotels, oder für 10-20€ in einer der fünf Jugendherbergen.
In Brüssel könnte der Tourist mit viel weniger Geld auskommen als in anderen Großstädten - wenn er sich auskennt, und außerdem den edlen Pralinenkreationen, Restaurants, oder anderen teuren Sachen widerstehen könnte.
Was man in Brüssel alles kostenlos machen kann, findet man auf folgender Website: www.idj.be/gratos
WER ZAHLT SCHON BAR... Brüsseler zahlen mit Karte. Und zwar leidenschaftlich gern und fast überall. Mit Kreditkarten, EC-Karten, oder, in Belgien sehr polulär, mit dem Geldkartenchip auf der Bankkarte.
Reicht man der Kassiererin seine EC-Karte, anstatt sie selber durchzuziehen, wird die Kassiererin zuerst versuchen, die Geldkartenfunktion zu nutzen. Dafür wird die Karte nicht durchgezogen (Magnetstreifen), sondern eingesteckt, um den Chip zu lesen. Wenige Deutsche nutzen jedoch die Geldkarte, und wenn sie nicht aufgeladen ist, kann man damit auch nicht bezahlen. Zieht eure Karte also selber durch, oder weist die Kassiererin direkt auf “Maestro” hin.
BIERWARNUNG
Achtung: Das belgische Bier ist unheimlich stark. Es gibt Biersorten mit bis zu 12% Vol., wenn dann auch noch etwas Zucker drin ist, wird es richtig heftig. Aber nicht nur das dunkle Starkbier ist so extrem, auch “normale” Pilssorten können 8-9% enthalten. Und das schmeckt man kaum.
Also Vorsicht in der Sonne, und besonders, wenn man noch Auto fahren muss! Eine gute Basis ist Pflicht. Meist kann man, wenn man es nicht gewohnt ist, schon nach dem ersten Bier dem Gegenüber nicht mehr gerade in die Augen schauen!
TRINKGELD UND SERVICE sind normalerweise schon inbegriffen. Man muss also niemandem etwas extra geben, etwas aufgerundet wird aber fast immer. Wenn man besonders zufrieden ist, darf es auch etwas mehr sein.
Zwei Ausnahmen gibt es aber doch: Platzanweiser bekommen 0,50€, und Türsteher beim Verlassen einer Discothek 1€.
BONJOUR-BONSOIR / SALUT Es ist nicht komisch, wenn ein Belgier um 19 Uhr mit einem Bonjour auf ein Bonsoir antwortet. Belgier wünschen sich erst viel später einen guten Abend...
Salut sollte man, wie in Frankreich, zu niemandem sagen, den man nicht persönlich kennt, denn man wird sonst schräg angeschaut.
KLEIDERORDNUNG
Bild: belgische Farben am Nationalfeiertag Was im wenige Kilometer entfernten Paris sehr wichtig ist, ist in Brüssel unmöglich. In Brüssel sieht man wirklich jede Art von Kleidung. Das bedeutet nicht, dass Brüssel nicht modisch ist, im Gegenteil: Jede Stilrichtung wird voll ausgelebt. Ob nun schick, gut, gewagt, oder, zugegeben, manchmal auch schlecht...
Dazu kommt noch Brüssels buntes Stadtbild: Am Platz Porte de Namur trifft eine der schicksten Einkaufsstraßen Brüssels, Boulevard de Waterloo, auf die kongolesische Chaussee d’Ixelles. Nicht nur hier vermischen sich junge belgische Models und reiche Rentner aus den USA mit wunderschönen Kongolesinnen in knallbunten Kleidern, und marokkanischen Jugendlichen in Sportschuhen, Trainingshosen und Lederjacken. Auf der Rue Haute findet man sündhaft teure Geschäfte neben heruntergekommenen Sozialwohnungen... Man kann sich das gemischte Publikum auf den Straßen vorstellen. Nur in Brüssels Südosten kann man wirklich sagen: Alles teuer und schick.
Je nachdem, wo man essen oder abends ausgehen möchte, ist natürlich dem entsprechende Kleidung angesagt - aber auch das wird eher locker ausgelegt.
MARIHUANA...
Bild: auch eine echte Pflanze wäre erlaubt In Brüssel und anderen belgischen Städten wird der Besucher feststellen, dass es öfters kräftig nach Gras riecht. Man sieht bei näherem Hinsehen Leute unbeschwert ihre Joints rauchen. Auch Pflanzen sieht man gelegentlich auf Fensterbänken oder Balkons. Man könnte denken, es ist legal? Nicht ganz.
In Belgien ist der Konsum mit einigen Einschränkungen geduldet; “normale” Konsumenten wurden entkriminalisiert. Das Mitführen von drei Gramm, und der Besitz einer Hanfpflanze ist ab dem 18. Lebensjahr geduldet. Konsumieren darf man nicht in öffentlichen Gebäuden, nicht auf allzu öffentlichen Plätzen, Parks, oder z.B. in Bushaltestellenhäuschen. Man darf niemanden damit stören und muss immer von Kindern fern bleiben. Tabu ist jede Straße mit einem Kindergarten, einer Schule, oder ähnlichem.
Diese liberale Gesetzgebung wurde zwischenzeitlich wieder verworfen, nach kurzer Zeit aber wieder eingeführt. Für Deutsche aber gilt nach Aussagen des Bundespolizei: Deutsche dürfen nirgendwo kiffen!
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UNTERWEGS ZU FUSS
NUR MIT STADTPLAN
Bild: hinter dem Gebäude geht’s weiter Wenn ihr euch in Brüssel noch nicht so gut auskennt: Führt immer eine Stadtkarte mit euch. Man kann sich schnell verlaufen, da Brüssel teilweise sehr chaotisch verbaut ist und man aus manchen Vierteln ohne Karte einfach nicht wieder herauskommt. Vor allem die kleinen, engen Viertel sind unübersichtlich - orientieren kann man sich nur an Boulevards, die diese durchschneiden.
Brüssel ist die Stadt der geraden Straßen. Das ist für Belgien sehr untypisch. In Brüssel macht eine Straße höchstens mal einen Knick, ist aber nicht abgerundet. Einige führen zwar kilometerweit geradeaus, mit Hausnummern bis in den vierstelligen Bereich, die meisten sind aber eher kurz und führen ständig auf Kreuzungen. Man kommt von einer zur anderen, verliert schnell die Orientierung und läuft oder fährt im Kreis, oder in die entgegengesetzte Richtung.
NICHT STOLPERN
Bild: gefährliche Baustelle Denkt an festes Schuhwerk. Die alten Straßen und Bürgersteige sind abenteuerlich und haben es in sich. Auch wenn die Fassaden sehr schön sind, immer wieder zu Boden schauen, und vor allem: Füße hoch beim Laufen!
Zudem sind Straßen im Rahmen von Bauarbeiten oft gefährlich provisorisch.
BELGIER UND DIE ROTEN AMPELN
Bild: belgisches Grün Belgier gehen sehr gerne über rote Fußgängerampeln. Meistens stehen alle erst verhalten an der roten Ampel, bis einer den ersten Schritt wagt und herübergeht. Dann kommen alle nach, tatsächlich auch Mütter mit Kindern. In der Menschenmenge fühlt man sich sicher, auch wenn Autos angefahren kommen. Die müssen dann warten. Nur Busse, Straßenbahnen, Polizei-, Kranken- und Feuerwehrwagen dürfen durch.
Ampelphasen sind aber auch oft ziemlich merkwürdig, und man geht halt herüber, wenn an der Kreuzung mal alles steht. Seid also etwas vorsichtig und schaut euch erst mal um, bis ihr euch angepasst habt.
BELGISCHE ZEBRASTREIFEN
Bild: Augen auf und los Zuerst: Vorsicht beim überqueren von Straßen, Belgier fahren rasant und wild.
Wer in Belgien am Straßenrand vor einem Zebrastreifen steht, kann lange warten. Scheinbar reicht es auch nicht aus, den Fahrern in die Augen zu schauen... Autokolonnen rauschen vorbei. Belgische Autofahrer bremsen erst, wenn es nötig ist; daher muss man als Fußgänger auf die Straße springen.
Die sichere Variante: Man passt den richtigen Moment ab, geht dann einen Schritt auf die Straße (nicht weiter, damit man zur Not zurückspringen kann), streckt den anrollenden Autos die Hand entgegen und geht, wenn sie bremsen, herüber. Die unsichere Variante: Ich empfehle es ausdrücklich nicht, aber man kann auch einfach drauf los laufen. Aber nur wenn man sicher ist, dass man auch gesehen wird!
BRÜSSELER WETTER
Ja ja, das typische Brüsseler Regenwetter, immer einen Schirm mitnehmen! Diesen Spruch liest und hört man immer und überall. In Brüssel gibt es durchschnittlich 90 Regentage im Jahr. Das ist vergleichbar mit Rom, Lyon oder Genf. Wesentlich mehr als in Brüssel regnet es z.B. in München, Mailand oder New York!
Durch den nahen Atlantik und die wärmende Wirkung des Golfstroms herrscht in Brüssel ein mildes und feuchtes ozeanisches Klima. Im Sommer liegt die Temperatur meist um die 20-25°C, im Winter um 0-5°C. Am schönsten und sonnigsten ist es zwischen Mai und September. Wie das Wetter so ist, kann es in den Sommermonaten auch mal weit über 30°C warm werden - und dann wird es in Brüssel ziemlich schwül, obwohl die Küste mit ihrem angenehmen Klima gar nicht weit weg ist.
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UNTERWEGS MIT DEM TAXI
TAXIWAHL
Bild: auch im Ami-Style In der Stadt sollte man ein Taxi anhalten, auf dem “Region de Bruxelles-Capitale” steht, wenn man eins von außerhalb erwischt, wird es teurer. Es gibt verschiedenste Taxiunternehmen und Automodelle, die Taxen sind weiß oder schwarz.
FREI? Ob ein Taxi frei ist, sieht man nicht an der Dachbeleuchtung, sondern daran, dass ein weißes Schild mit der Aufschrift “Libre” auf der Seite des Beifahrersitzes an der Frontscheibe heruntergeklappt ist.
AUTOLUX, BLEUES, ORANGE, VERTS? Bestellt man ein Taxi telefonisch, muss man wissen, dass es für die verschiedenen Taxiunternehmen keine zentrale Telefonnummer gibt. Eine Auflistung der Unternehmen und Telefonnummern ist hier zu finden.
FLUGHAFEN Achtet am Flughafen darauf, dass ihr mit einem Taxi fahrt, auf dessen Dach ein vertrauenswürdiges Taxi-Schild angebracht ist. Die Taxen kommen von verschiedenen Anbietern, z.B. Autolux, Taxi Bleues, Taxi Orange, Taxi Verts, das ist normal. Jedoch gibt es schwarze Schafe, die meist schwarz fahren und satte Preise verlangen. Nehmt lieber die schnellen Bahnen und die Busse!
Nicht alle Taxen fahren vom Zentrum zum Flughafen zurück.
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UNTERWEGS MIT RER, METRO, TRAM UND BUS
FAHRPLÄNE FÜR DIE EISENBAHN In den Bahnhöfen (RER, Eisenbahn) hängen separate Fahrpläne für Werktage und Wochenenden aus. Nur die Aufschrift in einem Feld mittig im Plan weist darauf hin. Möglicherweise hängen die Pläne für Werktage und Wochenenden nicht zusammen, sondern hintereinander oder um die Ecke. Drauf achten!
RICHTIGE RICHTUNG Achtung in kleineren Bahnhöfen ohne Mittelbahnsteig: Bei der belgischen Bahn herrscht Linksverkehr, so wie in England auf den Straßen. Wer intuitiv einen Bahnsteig wählt, sieht den Zug auf der anderen Seite wegfahren.
TICKETS Fahrer von Tram und Bus verkaufen nur Einzeltickets, und die sind 0,30€ teurer. Tageskarten kann man nur an Automaten in oder an den Schaltern größerer Metrostationen kaufen!
Die Tickets müssen bei jedem Ein- / Umsteigen neu abgestempelt werden. Auch die Tageskarten! Keine Sorge, es wird dabei nichts überdruckt.
METROLABYRINTH
Bild: Ebenen, Treppen und Gänge in der Metrostation Bourse Die Gänge und Treppen in den Metrostationen gleichen oft einem unnachvollziehbaren und abenteuerlichem Labyrinth. Achtet auf die Schilder, denn manche scheinbare Ausgänge sind nur zum Umsteigen auf Metro, Tram- oder Buslinien gedacht (vor der Treppe ist dann nur ein Schild mit Umsteigelinien), oder umgekehrt. Nach oben kommt man aber irgendwie immer, aber nie da heraus, wo man wollte oder zumindest dachte, herauszukommen. Lässt sich aber erforschen.
Viele Stationen haben Umsteige-Bahnsteige, hier öffnen die Türen der Metro auf beiden Seiten.
METRO TOURISTISCH
Die Kunst in den Brüsseler Metrostationen lockt viele Besucher, aber bitte nicht ohne Fahrkarte! Auch wenn man sich nur mal eine Station anschauen möchte, ohne mit der Metro zu fahren, muss man ein Ticket lösen, sobald man die rote Linie übertritt. Dort finden gelegentlich Fahrkartenkontrollen statt.
SIMONIS LEOPOLD II / ELISABETH?
Im April 2009 wurde die Lücke auf dem Ring geschlossen - Brüssel hat nun eine Ring-Metrolinie. Allerdings können die Metros nicht im Kreis fahren. Daher hat man die Station Simonis in Simonis (Leopold II) und Simonis (Elisabeth) umbenannt.
Nehmen wir an, ein ahnungsloser Tourist möchte von der Station Rogier im Zentrum mit der Metro 2 zur Basilika fahren. Ah, Simonis steht auf dem Richtungsschild! Er könnte die Metro 2 nach Simonis (Elisabeth) nehmen, das sind drei Stationen. Er könnte aber auch die Metro 2 nach Simonis (Leopold II) nehmen... das sind fünfzehn Stationen.
FAHRPLÄNE FÜR TRAM UND BUS sind auf dem ersten Blick nicht zu verstehen. Für jede Linie hängen Fahrpläne mit Tabellen in verschiedenen Farben aus, für Werktage, Wochenenden, Schulferien, Feiertage, sonstiges. Des Rätsels Lösung: Oberhalb befindet sich ein Jahreskalender, in dem jeder Tag farblich gekennzeichnet ist. Jetzt braucht man sich nur den Fahrplan in der selben Farbe anzuschauen.
BEDARFSHALTESTELLEN
Bild: bitte winken In Brüssel sieht man oft, dass Passanten auf der Straße Bus- und Straßenbahnfahrern zuwinken. Das liegt aber nicht daran, dass die Fahrer so viele Freunde haben. Wenn ihr an einer leeren Haltestelle oder zwischen lauter Fußgängern steht, winkt auch mal, denn sonst werdet ihr stehengelassen.
In Bussen muss man vorne einsteigen.
TRAM-TÜRÖFFNER Für Besucher etwas skurril sind die Türöffner außen an den alten Straßenbahnen. Es gibt da nicht etwa Knöpfe, nichts dergleichen - und das war schon peinlich für so manchen Touristen. Zwischen den Türflügeln, in der Mitte, ist eine ganz schmale grüne Gummileiste, die sich von oben bis unten durchzieht. Nach einem Druck auf die Leiste gehen die Türen auf. Ist doch klar!
HALT Zum Aussteigen aus Tram oder Bus muss erst die Haltetaste gedrückt werden; wenn die Tram oder der Bus hält, müsst ihr noch mal die Türtaste betätigen. Vorsicht: An den Türen liegen direkt über den Haltetasten Notruftasten, die, abgesehen von der Farbe, identisch aussehen. Oft ist durch die viele Benutzung die Aufschrift nicht mehr lesbar. Also nicht rot (wie meist in Deutschland), sondern blau drücken!
DIE LETZTE CHANCE / NAHVERKEHR BEI NACHT
Verlasst euch nicht auf die letzte Tram oder den letzten Bus am Abend. Wenn ihr vom Zentrum in einen anderen Bezirk wollt ist es ratsam, eine frühere Bahn zu nehmen. Es ist möglich, dass die Bahn / der Bus nicht an der gewohnten Haltestelle endet, sondern früher. (Meistens in der Nähe eines Abstellplatzes.)
Zwischen etwa 0:30 und 5:30 Uhr kommt der Nahverkehr in Brüssel traditionell völlig zum erliegen. Wenigstens an Wochenenden gibt es mittlerweile Nachtbuslinien, die bis 3 Uhr verkehren.
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UNTERWEGS MIT DEM AUTO
120 Auf belgischen Autobahnen beträgt die zugelassene Höchstgeschwindigkeit 120 km/h. Mehr ist teuer. Und gefährlich.
WEGWEISER FALSCH?
Bild: Umleitung auf Niederländisch und Französisch Die Wegweiser sind in Belgien gelegentlich mit Vorsicht zu genießen. Man sollte möglichst mit Navi oder Karte fahren, wenn man sich nun gar nicht auskennt.
Die zwei größten Fehler: 1. Von Aachen kommend, spaltet sich die Autobahn hinter Lüttich in zwei gleich große Teile. Brüssel steht nicht auf den Schildern, leichte Biegungen im Streckenverlauf täuschen, es sieht so aus, als würde die Hauptautobahn links herum weiterführen. Da geht es aber in das Zentrum von Lüttich. Wenn man rechts herum fährt, taucht nach wenigen Metern der große Schriftzug “Bruxelles” wieder auf. 2. Wenn man von Antwerpen kommt und der Beschilderung nach Brüssel folgt, wird man auf eine Autobahn geleitet, die schnell zur Landstraße wird. Die führt zwar nach Brüssel, aber es dauert ewig. Fährt man aber hinter Antwerpen am ersten Brüssel-Schild vorbei, folgt nach wenigen hundert Metern ein weiteres Schild, nach dem man dann schnell über die Autobahn nach Brüssel kommt.
Die beiden Beispiele sind natürlich gravierend, so etwas ist aber nicht die Regel. Ich will auch nicht zu viel nörgeln, da man sonst in Belgien jedes kleine Dörfchen über Schilder problemlos finden kann.
“SPRACHENSTREIT”
Bild: alles klar am Place Rogier? Die sprachlichen Unterschiede zwischen Flandern und der Wallonie sind im zweisprachigen Brüssel kein Problem - alle Schilder zeigen in Französisch und Niederländisch den Weg - auf belgischen Autobahnen kann das aber kompliziert werden. Außerhalb von Brüssel ist alles nicht mehr zweisprachig ausgewiesen - möglicherweise verschwindet plötzlich der Zielort von den Wegweisern, je nachdem, ob man gerade in Flandern oder der Wallonie ist. Die Autobahn Aachen-Brüssel führt mehrfach über die Grenze.
Einige Beispiele für Namensdifferenzen: Liège - Luik, Namur - Namen, Leuven - Louvain, Mechelen - Malines, Antwerpen - Anvers, Mons - Bergen, Gent - Gand, Brugge - Bruges. Die kleine flämische Stadt Ronse wird man von der Autobahn aus niemals finden - denn die Autobahn ist auf wallonischem Boden und die Wegweiser auch - und auf denen steht nur der französische Name für Ronse: Renaix. Muss man wissen.
JUHU, AUTO IN BRÜSSEL
Bild: Geschiebe auf dem Place Louise Der Autoverkehr in Brüssel ist etwas ganz Besonderes. Die Straßen sind zu, überall staut es, die Belgier, vor allem die Brüsseler, fahren sehr wild und hupen gerne. Verkehrsregeln werden konsequent missachtet. Manche fahren über rote Ampeln, durchgezogene Linien oder schraffierte Bereiche, missachten Einbahnstraßen, Vorfahrten...
In Brüssel gibt es riesige Boulevards, Kreuzungen, auf denen man nicht mehr weiß, wo es lang geht, Kreisverkehre, aus denen man nach mehreren Runden erst herauskommt, und viele Tunnel mit unzähligen Aus- und Einfahrten und Abgabelungen. Dazwischen liegen meist hügelige Viertel mit einem komplizierten System aus engen Einbahnstraßen. Für Deutsche ist die Verkehrsführung oft ungewöhnlich - man sollte vor allem beim Linksabbiegen auf die Schilder achten, damit man nicht in den Gegenverkehr fährt.
Man kann zum Teil interessante Szenen beobachten: Hupkonzerte, weil sich alle stur und dreist auf der Kreuzung zugefahren haben und es kein vor und zurück mehr gibt. Autokolonnen, die bewusst falsch herum durch kurze Einbahnstraßen brausen um abzukürzen, und Fahrer, die unbewusst falsch herum in den Kreisverkehr einfahren. Reisebusse, die sich in viel zu engen Vierteln verfahren und irgendwann weder vor, noch zurück können. Die Millimeterarbeit ist haarsträubend, oft gibt es kleine Unfälle mit Sachschäden.
Vorbildlich sind der Innenstadtring, die Unterführungen unter den Kreuzungen, die Tunnel, die Kreisverkehre und die Beschilderung, aber - bei dem Verkehr und dem Fahrstil der Belgier - ist alles Wahnsinn. Mit den Schildern kommt man nur klar, wenn man sich schon etwas auskennt. Man sieht oft verzweifelt suchende Autofahrer.
Ich erinnere mich an die amüsante Geschichte eines Reisebusfahrers aus Deutschland, der uns zum Nordbahnhof bringen sollte. Mit den großen Zufahrtsstraßen kam er klar, bis ihm die Straßen im Zentrum zum Verhängnis wurden. Wir fuhren zweimal einen großen Bogen um den Zentralbahnhof herum durch die Innenstadt, richtig schön im Kreis. Spätestens als wir das zweite Mal an der Kathedrale vorbeikamen, wussten alle Fahrgäste bescheid. Der Busfahrer dachte sich wohl, den Norden doch ausfindig machen zu können und verließ sich scheinbar auf seine Orientierung, die er im viel zu engen Gassengewirr in der Unterstadt aber vollends verloren hatte. Seine Suche nach Gleisen blieb erfolglos, da der Zentralbahnhof unter der Erde liegt. Also verließ er sich, wie gesagt, auf seine verlorene Orientierung und fuhr einen großen Boulevard herunter - und siehe da - am Ende des Boulevards sah er eine Eisenbahnbrücke. Er wägte sich schon auf der sicheren Seite, bis er plötzlich von einem Fahrgast angesprochen wurde, der sich auskannte. Der Busfahrer war nicht auf den Nord-, sondern den Südbahnhof zugefahren. Der arme Busfahrer rangierte den Bus mitten auf dem Boulevard um 180° herum (im Bus grölten die Leute vor Lachen, auf der Straße gab es Hupkonzerte), um dann in die entgegengesetzte Richtung zum Nordbahnhof zu fahren. Mit einem Kompass wäre das nicht passiert (mit Navi oder Karte erst recht nicht)...
DIGITALE RADARFALLEN Richtig gelesen, Radarfallen in Form von digitalen Kameras. Neunzig solcher Geräte sollen Brüssels Straßen überwachen. In Flandern gibt es das schon länger, und es wird weiter ausgebaut. Man kann scheinbar nur so das belgische Fahrtemperament bezwingen. Ob das klappt... Die Kameras erfassen übrigens auch live gesuchte Kennzeichen.
STURE PASSANTEN Ihr müsst nicht nur an Zebrastreifen besonders auf die Fußgänger achten, die wie Wild (das Wild) auf die Straße springen und immer damit rechnen, dass man bremst. An Zebrastreifen müssen die das so machen - sonst bremst nämlich niemand.
Manchmal kommt man durch Menschenmengen nicht hindurch, hinten hupen alle, man muss sich mit leichtem Anfahren und aufheulendem Motor Respekt verschaffen.
RECHTS-VOR-LINKS In Belgien gilt fast immer Rechts-vor-Links, auch oft auf großen Hauptverkehrsstraßen! Bisher galt offiziell folgende lustige Regelung: Hielt man als Abbieger an der Ecke an, anstatt einfach um sie herumzubrausen, verlor man das Vorfahrtsrecht. Seit März 2007 gilt die selbe Regel wie z.B. in Deutschland, aber die Belgier werden wohl lange nach der alten Regel fahren... Vor allem im Brüsseler Straßenverkehr herrscht Anarchie, das wird sich wohl nicht so schnell ändern.
DIE VORFAHRT DER STRASSENBAHNEN
Bild: Achtung Schwierig ist die Sache mit den Straßenbahnen, die immer Vorfahrt haben. Die Fahrer verkaufen während der Fahrt Tickets und verlassen sich auf ihr Vorfahrtsrecht. Achtet immer auf die Schienen. Wenn sie euren Fahrtweg schneiden (Schachbrettmuster-Markierung), ist Vorsicht geboten. Manchmal fahren die Bahnen mit im Kreisverkehr oder mitten über riesige Plätze.
TUNNEL UND UNTERFÜHRUNGEN
Bild: ab in die Röhre In Brüssel gibt es unendlich viele Unterführungen und kilometerlange Straßentunnel. Auf den großen Boulevards geht es immer wieder hoch und runter. Bei hohen Geschwindigkeiten - die steilen Rampen kribbeln im Magen. Man beachte unbedingt die Ampeln, die vor Rückstau schützen sollen, und auch die Info-Displays, auf denen man die Verkehrssituation ablesen kann (oder z.B. zu Neujahr: “Bonne Annee”, oder “Vive la Belgique” am Nationalfeiertag).
Die Tunnel sind eigentlich nur etwas für Profis: Spurwechsel und Abgabelungen sind bei viel Verkehr und hohem Tempo äußerst stressig. Hat man sich in Sekundenbruchteilen nicht richtig entschieden, landet man irgendwo ganz anders...
RUSH-HOUR Versucht, die Rush-Hour zu meiden! Am besten großzügig: von 7-10 und von 15-18 Uhr. Auch Samstage sind schlimm, besonders zwischen 12 und 19 Uhr. Dazu kommt noch:
NICHTS GEHT
Bild: im Quartier Leopold kann man manchmal den Motor abstellen Mehrmals im Monat werden große Straßen, Tunnel oder ganze Viertel für den Autoverkehr komplett gesperrt. Oft ganz plötzlich. Die fatale Folge ist völliger Verkehrskollaps. Entweder gibt es ein Fest, eine Großveranstaltung, einen Empfang, EU-Kongress, aber meist: Eine Demo. Brüssel ist Europas Hauptstadt und somit auch die Hauptstadt der Demonstrationen - um die fünfhundert gibt es pro Jahr. Man kann im Auto Musik hören, lesen, sich zwischendurch etwas zu essen holen, oder auch an der Demo teilnehmen - nur eilig darf man es nicht haben.
Ich erinnere mich an eine schicke, etwas ältere belgische Dame, die, auf der linken Spur im mehrspurigen Stau auf der Avenue Louise stehend, einfach mal kurz fluchend aus ihrem Jaguar huschte und im Pralinenladen verschwand. Jetzt könnt ihr mich mal alle, dachte sie sich wohl, typisch belgisch. Als es auf der Straße kräftig hupte, kam sie mit einer dicken Tüte angerannt. Nicht nur die Autofahrer rundherum amüsierte das sehr.
In den Sommermonaten findet freitags zwischen 20 und 23 Uhr die Rollerparade statt. Mehrmals im Jahr gibt es autofreie Sonntage im Zentrum; am dritten Sonntag im September ist sogar die ganze Stadt für Autos gesperrt.
ZIELORT NICHT GEFUNDEN Plant man eine Fahrt mit Routenplaner oder Navigationssystem, wird man auch bei allzu bekannten Plätzen oft nicht fündig, wenn man keine Postleitzahl zur Hand hat und nicht die richtige Kommune eingibt. Square Montgomery in Bruxelles - nicht gefunden. Ist doch in Brüssel, hinter dem Triumphbogen, denkt man sich, aber nein: Der Platz liegt auf dem Stadtgebiet von Woluwe Saint-Pierre, einer Kommune in der Region Brüssel-Hauptstadt. Das ist die Kleinstaaterei und die Selbständigkeit der Brüsseler Stadtteile - im Zweifelsfall hilft eine kleine Stadtkarte. Darüber hinaus kann die Zweisprachigkeit Probleme bereiten.
PARKPLÄTZE
Bild: eine Mutter mit Kinderwagen gelangt hier nicht auf die andere Straßenseite sind rar, die Parklücken sehr eng. Oft kommt man ohne das berühmte “Anstubsen” vorne und hinten nicht aus der Lücke. Parksünden sind beliebt, abgeschleppt wird aber immer mehr.
Es empfiehlt sich, Hotelparkplätze zu nutzen. Für Tagesreisen sind die P&R-Plätze sinnvoll - man kann kostenlos am Stadtrand parken und dann mit Bus, Tram oder Metro in die Stadt fahren. Im Zentrum gibt es viele Parkhäuser (etwa gleich teuer wie in Deutschland), vor allem samstags sind sie aber voll. Da sind die Parkhäuser im Europaviertel ein guter Tipp (fünf Minuten Metrofahrt in die Stadt).
Auch in Stadtvierteln rund um das Zentrum gibt es fast überall Parkschein-Automaten. Preislich gibt es keinen großen Unterschied zu Parkhäusern, ab 18 Uhr und an Wochenenden ist das Parken aber gratis.
TANKEN Nach Großtankstellen, wie man sie in Deutschland kennt, kann man in Brüssel fast vergeblich suchen: Tankstellen sind klein und nicht selten gut getarnt, in das Erdgeschoss von Eckhäusern eingebaut.
Abends, teilweise auch an Wochenenden, sind die Tankstellen nicht besetzt, bezahlt wird dann mit Karte. Kartenzahlungen an Tankstellen sind in Belgien weit verbreitet, es gibt sogar viele Tankstellen, an denen nur mit Karte gezahlt werden kann.
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