BRUESSEL-GUIDE
STADTBILD
STADTPLAN

 

 STADTBILD

Stadtbild Teil 2/2 (Auswahl)

GENTRYFICATION
Vor ein paar Jahren ging es steil bergauf. Die Metropole füllte sich mit jungen, kreativen, wohlhabenden Menschen aller Nationen und auch vielen Flamen, die die Stadt wieder verstärkt kulturell bereichern. Viertel wurden neu entdeckt, wiederbelebt, vor allem im Zentrum. Überall entstanden in ehemals leerstehenden Gebäuden Kunst- und Kulturzentren.
Brüssel galt als die belgische In-Metropole, in der man etwas erreichen und verändern, sich selbst verwirklichen, aufsteigen kann.

Nach und nach standen verkommene Viertel im Zentrum wieder auf.
Quartier Saint-Gery-Dansaert: Noch vor Jahren nannte man das Viertel westlich der Börse Klein-Chicago. Neben Verfall gab es dort nicht viel. Nachts trauten sich viele Brüsseler nicht mehr in diese dunklen Straßen. Nun erinnert nichts mehr an diese Zeiten - Saint-Gery-Dansaert ist das junge Zentrum des Brüsseler Nachtlebens, das Zentrum der Kreativen und der Brüsseler Modeschöpfer, die aus der Rue Dansaert eine feine Modemeile gemacht haben.
Quartier Saint-Jacques: Der Norden des Viertels, südlich des Grand Place, wurde vor ein paar Jahren schon wiederbelebt, und ist nun ein weiteres beliebtes Szeneviertel. Viele schöne Cafés, Bars und Geschäfte.
Quartier des Marolles: Halb leerstehende soziale Wohnungsbauten werden abgerissen, Gebäude werden saniert, und teure Designerläden entstehen in den Straßen. Das Quartier wird “sablonisiert”, wie man sagt - die Grenzen zum nahen Luxusviertel Sablon verschwimmen nicht nur, es breitet sich aus.
Quartier des Quais / Maritime: Völlig unerschrockene junge Menschen und Künstler kamen in das noch recht schwierige Viertel, sanieren Häuser, bauen Lofts, und richten sich Kunst-Werkstätten ein.

Vorher und nacher in Brüssel
Brüssel - vorher und nacher

Mittlerweile kehrt sich die Gentrification wieder um. Viele Viertel sind sehr unsicher geworden, es gibt massive Probleme mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen islamischer Einwanderergruppen. Im Jahr 2010 kann man weniger von Gentrification, mehr von massiver Islamisierung sprechen. (Auswahl)

UMDENKEN
Neue Architektur ist schön geworden: Einige Brüsseler Architekten setzen die Arbeit Hortas fort und bauen im Jugendstil. Dauerhaft treu blieb man dem Art Deco, der aber scheinbar erst jetzt so richtig in seiner Blütezeit steht. Die Architekten von “Atelier d’Art Urbain”, die wohl mächtigsten in Brüssel, sind dem Art Deco völlig verfallen und entwerfen die schönsten Gebäude in ihrer unverkennbaren Art. Unzählbar viele riesige und kleine Projekte zieren die Stadt schon, und es werden immer mehr. Entwürfe, Bilder: atelier-art-urbain.com
Die Steinfassaden werden in den letzten Jahren immer verspielter und verzierter, man hat der aalglatten Bauweise den Rücken gekehrt, nimmt sich alte Baukunst als Vorbild. Es hat sich endlich wieder eine Art Ästhetik-Bewusstsein entwickelt. Neue Gebäude sind heute wieder Prestigeobjekt, und nicht mehr, wie vor wenigen Jahrzehnten, nur eine reine Einnahmequelle mit billigen grauen Fassaden, die eher wie Mauern aussehen. Wurde auch Zeit.

Brüssel - moderne Architektur

City2 (Quartier Marais-Jacqmain)

Brüssel - moderne Architektur

KBC-Gebäude an der Avenue du Port (Molenbeek)

Sehr beliebt sind Glasfassaden, die am liebsten, mit leichtem Blau- oder Bronzestich, extrem spiegeln. Es gibt darin die beeindruckendsten Spiegelungs- und Lichteffekte; am interessantesten ist es natürlich, wenn alte Bauwerke rundherum stehen. Ansonsten überwiegen helle Steinfassaden.

Brüssel - moderne Architektur

Bürogebäude an der Rue Belliard (Quartier Leopold)

Brüssel - Neu und Alt

Kontrastbaustelle am Marche au Bois (Quartier Royal)

Einige Immobilienhaie treiben immer noch ihr Unwesen, jedoch wird ihnen von der Organisation ARAU (Atelier de Recherche et d’Action Urbaines) und auch von Brüssel das Leben immer schwerer gemacht. ARAU arbeitet für eine bessere Stadt.
Neue Bausünden werden möglichst verhindert oder zumindest verändert. Firmen werden dazu angehalten, ihr Umfeld zu unterstützen. Wenn Wohngebäude geopfert werden müssen, wird neuer Ersatz geschaffen, oder es werden verfallene Wohnbauten saniert.
Ebenso setzt man sich für ein gutes Mischungsverhältnis Wohnen-Gewerbe ein. Reine Büroviertel sollen verhindert werden; es werden Wohngebäude in die Viertel zurückgepflanzt, Bürogebäude umgebaut oder entfernt, um Platz für Wohnraum zu schaffen. Das Europaviertel wird in den nächsten Jahren völlig umstrukturiert.
(Auswahl)

ABRUXELLISATION
In der heutigen Zeit ist Brüssel bekannt für wegweisende Denkmalschutz-Projekte, Gebäudeerhaltung und -sanierung. Aus Bruxellisation wurde Abruxellisation.
Die Stadt war im Jahr 2000 Kulturhauptstadt Europas, und mausert sich immer mehr. Bereits einige Jahre vorher hat man mit intensiven Restaurationsarbeiten begonnen. Ganze Viertel werden hergerichtet, immer mehr Kirchen und Paläste sind nicht mehr schwarz, sondern leuchten in hellen Sandtönen.

Brüssel - Kirchen

Notre Dame du Sablon (Quartier Royal), Hotel de Ville (Quartier Ilot Sacre), Cathedrale Saint Michel (Quartier Royal)

Vor einiger Zeit montierte die Stadt hunderte gewöhnliche Bushaltestellen-Häuschen ab und ersetzte sie in neue Wartehäuschen mit geschwungenen, verzierten Stahlträgern und gestreiftem Glasdach, die ganz eindeutig dem Jugendstil nachempfunden sind. Die Häuschen sind zwar von einer großen, internationalen Straßenausstattungsfirma, das Modell wurde aber extra für Brüssel entworfen.

Brüssel - Bushaltestelle

Vor Jahren schon hat man sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Hausbesitzer oder Vermieter, die ihre Gebäude frisch anstreichen, bekommen die Kosten fast vollständig von der Stadt erstattet, Sanierungen werden mit großen Prämien belohnt.
Gerade in den letzten Jahren werden erschreckende Bausünden einfach entfernt und die Gelände hübsch neu bebaut, oder in Parkanlagen umgewandelt. Die Bausünden werden genauso radikal abgetragen, wie sie gebaut wurden.
Den alten, grauen Wolkenkratzern werden schicke neue Kleider angehängt.
(Auswahl)

Madou Plaza - alte und neue Fassade
Brüssel - Fassaden

FASSADISMUS
Eine bekannte Brüsseler Erfindung ist der Fassadismus. Was man heute in Deutschland schon ab und zu sieht, wird in Brüssel schon seit Jahren praktiziert:
Manche Gebäude, die heruntergekommen sind, aber deren Schönheit man erhalten möchte, trägt man kostenintensiv bis auf die Fassade ab und baut dahinter neu. Die Fassaden werden in der Zeit von Metallträgern gestützt. So entstehen gepflegte Innenräume hinter restaurierter Fassade.

Brüssel - Fassadismus

Als der Fassadismus aufkam, diente er aber eher einem anderen Zweck. Er umging nämlich die seltsamen, ersten Denkmalschutzbestimmungen: Im Normalfall war nur die Fassade geschützt.
Es wurden Brunnen, Statuen, und ganze Häuser (bzw. die Fassaden) abgetragen, und zum Teil an anderer Stelle wieder aufgebaut. Einige Fassaden liegen auch, Stein für Stein durchnummeriert, in städtischen Lagerhallen und warten nur darauf, wieder zusammengesetzt zu werden. Skurril, nicht wahr?
(Auswahl)

KONTRASTE
Alles macht Brüssel zu einem unheimlich abwechslungsreichen, aufregenden, urbanen, wahnsinnig dicht bebauten Ort, in dem einem, von den verschiedenen interessanten Eindrücken, der Atem stockt. Brüssel ist atemberaubend, und atemberaubend schön, und die Brüsselisierung ist ein Erlebnis.

Brüssel - Kontraste

Blick vom Inno-Parkhaus (Quartier Marais-Jacqmain)

Eine Stadt ohne Kontraste ist eine langweilige Stadt. Für meinen Geschmack ist urbaner Stadtdschungel interessanter als absolute städtebauliche Homogenität. Die ist auch schön, und ist in vielen anderen belgischen Städten zu finden.
Aber gerade das bombastische Brüssel-Chaos ist schwer interessant, manches wirkt aber ... krass.

« Défiguré, massacré, parsemé de tours anonymes et de bureaux à louer, Bruxelles aurait tout pour déplaire. Et pourtant, de ce chaos, de ces niaiseries, de ces erreurs enchevêtrées naît un charme bien réel. »
[Benoît Peeters, auteur avec François Schuiten de "Brüsel"]
(Auswahl)

Brüssel - Kontraste

Quartier Saint-Jacques, Quartier Leopold, Quartier Louise

STRASSENKUNST
Brüssel ist die Stadt der bunten Straßenkunst. Die Brüsseler haben eine bewundernswerte Art, ihre Stadt zu dekorieren, mit explosiver Kreativität und großem Eifer geht man ans Werk. Überall gibt es etwas interessantes zu sehen.

Brüssel - Gaston

Gaston Lagaffe auf dem Boulevard Pacheco (Quartier Marais-
Jacqmain)

Metrostationen werden von Künstlern gestaltet, graue Häuserwände werden mit riesigen belgischen Comic-Bildern bemalt. Die in Deutschland bekanntesten belgischen Comics sind die Schlümpfe, Tim und Struppi, Lucky Luke, Marsupilami und Cubitus.

Brüssel - BD

Quick & Flupke, Passe-moi l’ciel, Rick Hochet,
Lucky Luke, Boule & Bill, Victor Sackville,
Les reves de Nic, Bob et Bobette, Cubitus

Auch in Eigeninitiative werden die Farbpinsel fröhlich geschwungen...

Brüssel - Malerei

In Sachen urbaner Kunst steht Brüssel hoch im Kurs und gehört in Europa neben Barcelona, Paris, Antwerpen, Eindhoven und Berlin zu den größten Street-Art-Städten.

Brüssel - Street Art

Auch in Sachen Graffiti kann Brüssel sich messen: Die Stadt gibt viel Geld aus, um graue Wände von Profi-Sprayern verschönern zu lassen. In Kürze entsteht in Laeken Europas größte Graffiti-Wand.

Brüssel - Graffiti

Hausfassaden von Geschäften und Restaurants werden liebevoll gestaltet und mit bunten Lampen versehen.

Brüssel - Restaurants

Parks, Gärten, Plätze, und Verkehrsinseln werden farbenfroh bepflanzt.

Brüssel - Blumen

Place Simonis (Koekelberg)

Gelegentlich ist die Metropole ein Schauplatz genialer Kunstinstallationen, die die ganze Stadt schmücken. Künstlerische Aktionen jeglicher Art werden enorm gefördert.

Brüssel - Kunst

Art on Cows 2003

Nachts setzt sich Brüssel gekonnt in Szene: Unzählige Sehenswürdigkeiten, alte Bauwerke, und Hochhäuser werden angestrahlt oder beleuchtet, auch bunt, oder es werden Bilder darauf projiziert. Laser zucken durch die Luft, Brüssel funkelt. (Auswahl)

Brüssel - Lichter bei Nacht   Brüssel - Lichter bei Nacht

Hotel de Ville (Quartier Ilot Sacre), Madou Plaza
(Saint-Josse)

BILDER
Es gibt in Belgien so viele schöne, skurrile, kuriose, und surrealistisch wirkende Ansichten und Dinge zu sehen - unerschöpflich viele Fotomotive. Beweise auf der Partner Site: www.bxel.net
Brüssel könnte sich das Mekka der Fotografen nennen. Es gibt Broschüren, in denen die tollsten Gebäude eingetragen sind, mit Angaben, zu welcher Tageszeit das Gebäude am besten mit Sonne bestrahlt wird oder wie lange es nachts beleuchtet ist!
Oft sieht man auch malende Studenten auf Brüssels Plätzen sitzen. Schon der Belgier Rene Magritte hat sich von Brüssels Surrealismus inspirieren lassen, er hat lange Zeit in Brüssel gelebt und dort studiert.
(Auswahl)

Brüssel - Surrealismus

Art on Cows 2003

UNDERGROUND
Sehr interessant ist das unterirdische Brüssel. Man hat so ausgiebig unter der Stadt gebaut wie nur in wenigen anderen Städten:
Die Senne fließt unterirdisch mitten durch Brüssel. Es gibt viele Tunnel und unterirdische Bahnhöfe für die Eisenbahn; die Metro und Trambahnen verfügen ebenfalls über ein sehr gutes Tunnelnetz. Die Metrostationen Brüssels wurden von Künstlern gestaltet, es gibt interessante große und kleine Bilder, Kunstwerke und Installationen zu bewundern. In einigen Stationen gibt es sehr viele Geschäfte; oft duftet es nach Waffeln oder ähnlichem.

Brüssel - Metro

Metrostation Bizet (Anderlecht)

Brüssel - Metro

Metrostation Horta (Saint-Gilles)

Brüssel hat unzählige Autotunnel und Unterführungen. Wenn man auf den großen Boulevards unterwegs ist, verschwindet man immer wieder unter der Erde. Man unterfährt zügig Kreuzungen mit Ampeln, große Kreisverkehre, verkehrsberuhigte Einkaufsstraßen, im Weg stehende Sehenswürdigkeiten, oder ganze Quartiere. Manche Straßen existieren unterirdisch gleich nochmal, man hat die Spurenanzahl für guten Verkehrsfluss einfach verdoppelt.
Folgt man zum Beispiel der Achse Porte de Hal - Basilique, wird man vom oberirdischen Brüssel wenig sehen: Auf dem Weg verschwindet man neun Mal unter der Erde. Wie sagt man auf der Kirmes so schön: Auf und nieder immer wieder!
(Auswahl)

Brüssel - Tunnel

Tunnel Cinquantenaire (Quartier Leopold)

Ende

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