BRUESSEL-GUIDE
STADTPLAN

 

 GESCHICHTE

Kurz und knackig: Die wichtigsten Ereignisse, die Entstehung Belgiens, die Rolle Brüssels als Hauptstadt, die Zweisprachigkeit, der Werdegang Brüssels zur Weltstadt, und die Islamisierung.

Die Anfänge
Der Legende nach wird Brüssel im 6. Jahrhundert durch den heiligen Goorik gegründet. Im Dokument nachweisbar ist die Siedlung jedoch erst 966, in einer Urkunde Otto des Großen, die Broeksele (lat. Bruocsella), Kapelle im Sumpf, erwähnt. 977 bis 979 errichtet Karl von Niederlothringen eine Burg auf einer Insel im Flüsschen Senne und damit die Grundlage für die weitere Stadtentwicklung. Im 11. Jahrhundert wird erste Stadtmauer angelegt. Die Stadtbefestigung des 14. Jahrhunderts spiegelt sich in den Boulevards des kleinen Rings wider.

Brüssel - Saint-Gery

Nicht der Grand Place ist das historische Zentrum, sondern der Place Saint-Gery.

 

 

 

 

 

Das mittelalterliche Brüssel und die Habsburger
1430 erbt Philipp der Gute, Herzog von Burgund, das Herzogtum Brabant. Er macht Brüssel zur Hauptstadt seines Burgunderreiches. In dieser Zeit entstehen das Rathaus und die ersten Zunfthäuser am Großen Markt. Die Stadt blüht in dieser Zeit wirtschaftlich auf. Bildhauer, Teppichwirker und Goldschmiede finden ihr Auskommen. Künstler wie Pieter Brueghel der Ältere und Rogier van der Weyden lassen sich der Stadt nieder. Die Enkelin Philipps des Guten, Maria von Burgund, heiratet 1477 Maximilian von Habsburg, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Dadurch kommt Brabant unter die Herrschaft des Habsburgerreiches. Nach einer kurzen Unterbrechung durch Margarete von Österreich, welche die Hauptstadt nach Mecheln verlegt, wird Brüssel nach 1531 erneut Hauptstadt von Burgund.
Nach dem Tode Karls V., unter seinem Sohn Philipp II., wird der größere Teil des heutigen Belgien, mit Brüssel, Bestandteil der spanischen Niederlande. Unter Philipp II. kommt es zu Erhebungen gegen die spanische Herrschaft, unter anderem zu den Aufständen der Grafen Hoorn und Egmont. Mit der Hinrichtung der beiden Adligen auf dem Großen Marktplatz werden diese Aufstände 1568 blutig niedergeschlagen. In Folge dieses gescheiterten Aufstandes kommt es 1578 - 1579 zur Gründung der Union von Utrecht, der Keimzelle der späteren unabhängigen nördlichen Niederlande. Unter dem Statthalter Spaniens, des Herzogs von Alba, wurden die Anhänger des Protestantismus gnadenlos verfolgt. Diese Repression hat den Exodus der wirtschaftlichen und geistigen Elite, vorwiegend nach Amsterdam, und den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt Brüssel zur Folge.

Brüssel nach dem Dreißigjährigen Krieg
Im Westfälischen Frieden von 1648 werden die nördlichen Niederlande unabhängig, während die südlichen Niederlande und damit Brüssel unter spanischer Herrschaft bleiben. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kämpft Frankreich unter Ludwig XIV. um die Vormachtstellung in Europa. Die Truppen Ludwigs XIV. erobern Westflandern und den Hennegau. Brüssels Großer Markt wird 1695 drei Tage lang mit Kanonen bombardiert und fast völlig zerstört. Im Frieden von Rijswijk 1697 muss Frankreich die belgischen Gebiete wieder abtreten. In Folge des spanischen Erbfolgekrieges, 1701 - 1714, erhalten die österreichischen Habsburger die Herrschaft über die südlichen Niederlande und damit über Brüssel.

Kampf um die Unabhängigkeit
1789 wird im Brabanter Aufstand die Unabhängigkeit gegen die Habsburger unter Joseph II. errungen. Diese ist jedoch nur von kurzer Dauer, weil 1794 die Truppen der revolutionären französischen Republik das Land erobern. Die französische Herrschaft endet 1815 mit der Niederlage Napoleons auf dem Schlachtfeld von Waterloo, das sich unmittelbar südlich der heutigen Hauptstadtregion Brüssel befindet. Im Wiener Kongress 1814 - 1815 werden die südlichen Niederlande mit den nördlichen Niederlanden unter Wilhelm I. von Oranien vereinigt. Doch in Folge der divergenten politischen und kulturellen historischen Entwicklung sind Konflikte zwischen den beiden Landesteilen im Keim angelegt. Der zum Teil französischsprachige und hauptsächlich katholische Süden fühlt sich gegenüber dem protestantischen, holländischen Norden in der politischen Mitsprache, im Unterrichtswesen und in wirtschaftlicher Hinsicht benachteiligt. Der Aufstand im Süden wird zunächst militärisch unterdrückt. Die ausländischen Großmächte England, Österreich und Russland haben jedoch ein Interesse daran, den Konflikt friedlich beizulegen, um einer möglichen Einflussnahme und damit einem Wiedererstarken Frankreichs entgegenzuwirken. Durch ihre Intervention kommt es 1831 zur Konferenz von London.

Brüssel - Theater

Eine Aufführung hat das Fass zum überlaufen gebracht:
Die Revolution begann in und vor dem Theater.

 

 

 


 
 

Das Königreich Belgien wird als Staat anerkannt, Brüssel wird Hauptstadt dieses neuen Staates, Leopold I. von Sachsen-Coburg wird der erste König einer neuen konstitutionellen Monarchie. Die Amtssprache in ganz Belgien wurde Französisch.
Leopold II., Sohn des ersten Königs, erwarb den Kongo in Afrika, zunächst als Privatbesitz, später als Kolonie, was der königlichen Familie und dem Land Reichtum brachte. Der Kongo wurde auch bekannt durch die dort ausgeübten Verbrechen der belgischen Besatzer. 1960 wurde die Kolonie Kongo in die Unabhängigkeit entlassen.

Das moderne Brüssel
Durch die neue Rolle als Hauptstadt eines unabhängigen Staates und durch den industriellen Aufschwung Belgiens im 19. Jahrhundert erlebt Brüssel einen gewaltigen Aufschwung. Die Bevölkerung wächst dramatisch, auch in Folge einer lebhaften Zuwanderung aus der Wallonie und Frankreich. Ehemals ländliche Gemeinden um den alten Brüsseler Stadtkern herum verschmelzen zu einem urbanen Konglomerat; riesige neue Stadtgebiete wachsen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert scheinbar aus dem Nichts. In dieser Zeit entstehen große Gebäude wie der Justizpalast (1863 - 1866), die Börse (1873), der Königspalast auf dem Mont des Arts (Fertigstellung 1903), der Triumphbogen (Fertigstellung 1905), und die berühmten Jugendstilbauten der Stadt, beispielsweise Victor Hortas Bauten.
Obwohl Belgien in beiden Weltkriegen als Vormarschgebiet Opfer der deutschen Offensivstrategie war, blieb Brüssel von Kriegszerstörungen weitgehend verschont. Deshalb prägen die Architektur und die Straßenzüge der Gründerzeit immer noch das allgemeine Stadtbild.

Brüssel - Architektur

In sehr vielen Stadtteilen ist die Pracht aus der Gründerzeit noch perfekt erhalten.

 

 

 


 

Belgien - Karte Flandern / Wallonie

Zweisprachigkeit
Brüssel - Sprachenstreit
Nach der Gründung Belgiens wurde Französisch im ganzen Land zur Amtssprache erklärt. Die niederländisch sprechenden Flamen im Norden Belgiens waren damit jedoch nicht einverstanden. Im Jahr 1873 wurde daher die Zweisprachigkeit im belgischen Königreich rechtlich anerkannt. Danach forderte die große Mehrheit der Flamen, dass ihre niederländische Muttersprache auch als Verwaltungs- und Unterrichtssprache an Schulen und Universitäten verwendet und damit der bisherigen allein geltenden französischen Amtssprache gleichgestellt werden sollte. 1921 erkannte die belgische Regierung die territoriale Einsprachigkeit seiner Bewohner in den regionalen Sprachgebieten an: die niederländische Sprachzone Flandern im Norden, die französische Sprachzone Wallonie im Süden.
Brüssel liegt nördlich der Sprachgrenze, auf flämischem Gebiet. Die im frühen 19. Jahrhundert flämisch geprägte Kleinstadt wird aber durch ihre Hauptstadtfunktion und das im späteren 19. Jahrhundert dominierende ökonomische und kulturelle Gewicht der damals industriell weiter entwickelten Wallonie “französisiert”. Auch im heutigen urbanen Brüssel dominiert das französische Element.
1932–1938 wird Brüssel, als Hauptstadt eines zweisprachigen Landes, offiziell zweisprachig. Straßennamen, Namen von Stadtteilen und Stationen des öffentlichen Nahverkehrs sind seitdem konsequent zweisprachig beschildert, sofern die Namen nicht in beiden Landessprachen übereinstimmen.
1988 verabschiedet das belgische Parlament ein Gesetz, das Belgien zum Bundesstaat macht, mit den autonomen Regionen Flandern und Wallonien und der Region Brüssel mit besonderem Status.

Werdegang zur Weltstadt
Nach dem zweiten Weltkrieg etabliert sich Brüssel auch international als Zentrum: 1958 wird es zum Sitz der Vorläuferin der heutigen Europäischen Union. 1958 findet auch die Weltausstellung in Brüssel statt, für die das Atomium gebaut wurde. 1967 wird der Sitz der NATO von Paris nach Brüssel verlegt. Heute ist Brüssel die Hauptstadt Europas.

Brüssel - Weltstadt

Brüssel strebt gen Himmel.

 

 

 


 
 

Islamisierung
Im Jahre 1964 gab es in Belgien ein offizielles Ersuchen um marokkanische und türkische Arbeitskräfte für die Industrie. Tausende Muslime kamen nach Belgien. Trotz des offiziellen Zuwanderungsstops nach Belgien im August 1974 wuchs die muslimische Bevölkerung durch Familienzusammenführung, hohe Geburtenrate, und aufgrund des Eintreffens von Wirtschaftsflüchtlingen vor allem in Brüssel weiter an.
Der größte Teil der Muslime schaffte trotz erheblicher Bemühungen der Belgier bis heute religionsbedingt die Integration in die westliche, belgische Gesellschaft nicht, lehnt sie sogar ab, und schottet sich daher in islamischen Gegengesellschaften ab. Zahlreiche zentrale, ehemals kulturell wertvolle Stadtteile Brüssels werden islamisiert.
Laut der Katholischen Universität Leuven sind im Jahr 2008 25,5% der Brüsseler Muslime (Belgien: 6%). 57% der Neugeborenen sind Kinder muslimischer Eltern, und Mohammed ist seit 2001 der häufigste Vorname für männliche Neugeborene in Brüssel. Die Einwohnerzahl Brüssels steigt jährlich um etwa 10.000, wobei auch ein Austausch der Bevölkerung stattfindet. Laut der Universität Leuven wird Brüssel im Jahr 2025 eine muslimische Mehrheit haben.
Besonders die jungen Muslime wenden sich immer stärker dem Islam zu, was schwere Probleme beim Zusammenleben mit Nichtmuslimen in einer Stadt zur Folge hat: Intoleranz, Inländerfeindlichkeit und islamisch legitimierte Kriminalität.



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